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MS: Mein Weg aus der Tiefe
MS - Mein
Weg aus der Tiefe
veröffentlicht in
"für uns – vita sana" Nr.7/8/00

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„1992 die Diagnose: Multiple Sklerose, ein Schicksalsschlag. 1997:Es
geht abwärts. Die MS zwingt mich in die Knie. Mein Rennrad, Hobby
und Beruf zugleich, verschwindet in der Tiefe des Kellers. Jeder Schritt
wird zur Qual. Ich kann kaum noch gehen. Ich bin kraftlos, ohne Energie,
aber ich bin Sportler und will kämpfen.“
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Roland
W., Rennradmechaniker, Winterthur.
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1997 erreicht Roland W. in seinem Leben die Talsohle. Kaum noch gehfähig und
von vielen Freunden verlassen sucht er am Albini Fest in Winterthur einmal mehr
die Nähe zu fröhlichen und ausgelassenen Menschen und begegnet einer jungen
Frau. „Nein, zwischen uns kann es nichts geben. Ich habe MS. Such Dir einen
anderen Freund, einen der gesund ist, einen mit dem Du wandern und fröhlich
sein kannst“.
Die Beiden sind heute ein unzertrennliches Paar und wohnen zusammen in einem
Mietshaus ohne Lift - im 4. Stock! „Das hat niemand begriffen“, meint Roland
W. heute. „Alle gaben mir damals den wohlgemeinten Rat, so kurz vor dem Rollstuhl
zumindest eine Wohnung mit Lift zu beziehen“.
In den nächsten Jahren sollten die Treppen zu seinem täglichen Übungsgerät
werden, vor seinen Augen ein klares Ziel: „Ich will die Treppen ohne Hilfe und
in einem Zug bis nach oben schaffen“.
Trotz dem seit 1995 eingesetzten Betaferon verschlimmerte sich sein Zustand
zusehends.
Im August 1998 erschien Roland W., geführt und gestützt von seiner Freundin,
erstmals in meiner Praxis mit dem Wunsch, sich nach der „Fratzer-Hebener“ Therapie
behandeln zu lassen. Kernpunkt der Therapie ist der weitgehende Verzicht auf
die Arachidonsäure in der Ernährung, die sanfte Reduktion der Linolsäure, aus
welcher der Körper die Arachidonsäure, den „Brennstoff für die Entzündung herstellt
und die Nahrungsergänzung mit Fischöl, Selen, Vitamin E und Muschelextrakten.
Diese Therapie wurde von mir mit bestimmten Vitaminen, Spurenelementen und
Mineralien ergänzt und zum 8-Säulen-Konzept (Siehe Buch: „Die gesunde Ernährung
bei Rheuma“) erweitert.
Das Therapiekonzept richtet sich ganz allgemein gegen die chronische Entzündung
und besitzt daher gleichermassen Gültigkeit bei Rheuma, Multipler Sklerose oder
Colitis.
Nach den ersten 3 Behandlungsmonaten gab Roland W. zu Protokoll, dass sein
Gleichgewichtsempfinden sicherer sei und seine Ausdauerfähigkeit eine merkliche
Besserung erfahren habe. In den folgenden Monaten stellten sich weitere, kleine
Besserungen ein und um es mit seinen Worten auszudrücken: „Das wilde Pferd MS
sei in Zähmung begriffen“.
Dann, im Januar 1999, der Rückschlag: Eine deutliche Verschlechterung mit der
Notwendigkeit von Kortison-Infusionen.
Bis zu diesem Zeitpunkt konnte sich Roland W. von seiner Krankheit nicht lösen.
Im Gegenteil, die MS wurde je länger je mehr zu einem unüberwindlichen Stress.
Stetiger Stress aber blockiert die Heilung und kann mitunter Schübe auslösen.
Etwa 80% der MS Kranken geben an, zum Zeitpunkt des ersten Auftretens der Krankheit
unter einem erheblichen Problem – sei es nun beruflich, familiär oder, wie im
Fall Roland W., sportlich – gelitten zu haben. Erst wer sich von den Fesseln
des Stress zu befreien vermag, schafft so eine echte Grundlage für den Behandlungserfolg
– sei es nun Betaferon oder die Hebener Therapie. Stress blockiert das Immunsystem.
Im Stress sind wir müde und anfällig für Erkältungskrankheiten.
Nun war es an der Zeit, Roland W. an seine einst
kämpferische Sportlerseele zu erinnern. Der Sportler „befiehlt“ dem Körper
was er zu tun hat und was zu lassen ist. Der Geist steht über dem Körper. Im
Fall von Roland W., man darf sagen bei MS überhaupt, beherrscht die Krankheit
den Körper und bestimmt, was er noch darf und was nicht.
Nach dem Leitspruch des Sportlers „Ich kann. Ich will. Jetzt!“ drehte Roland
W. nun den Spiess um und bestimmte fortan selbst, was die MS noch tun darf und
was nicht. Erst mit dieser Einstellung zur Krankheit gelang ihm der entscheidende
Durchbruch. Nach ersten Fahrversuchen mit dem Mountain-Bike im November 1998
schaffte er im April 1999 stolze 9 Kilometer. Mehr noch, seine Treppen, das
Mass der Leistungsfähigkeit bewältigte er jetzt ohne Hilfe und in einem Zug.
Seit Januar dieses Jahres arbeitet Roland W. zu 50% in einem mechanischen Betrieb,
wo Fingerfertigkeit Bedingung ist - zur vollsten Zufriedenheit seines Arbeitgebers.
Kürzlich, ein gutes Jahr nach der Rollstuhlempfehlung eines Arztes, war ich
bei Roland W. in seiner Wohnung im 4. Stock zu Besuch. „Herr Dokor, gömme zäme
i Beiz eine go züche“. Voller Stolz stieg er vor mir die Treppen hinunter, bedächtig
zwar, aber ohne Hilfe. Dann die Strasse entlang bis zur Quartierbeiz. Wir prosteten
uns zu, ohne grosse Worte. In seinen Augen aber sah ich Dankbarkeit, Dankbarkeit
allen voran seiner Freundin gegenüber, die ihn in einer beispiellosen Selbstlosigkeit
Tag für Tag im Glauben an bessere Zeiten unterstützte.
Es ist das grosse Verdienst des deutschen Arztes Dr. med. Olaf Hebener, das
Therapieprinzip Fratzers, eine chronische Entzündung mit einer linol- und arachidonsäurearmen
Ernährung und bestimmten Vitalstoffen zu beeinflussen, perfektioniert zu haben.
Mittlerweile werden über 5000 MS Betroffene nach diesem Konzept behandelt. Die
Erfahrung zeigt, dass damit in vielen Fällen das Fortschreiten der Krankheit
gebremst werden kann. Nach den ersten 3 Behandlungsmonaten berichten 50 Prozent
der Patienten über eine - wenn auch geringe - Besserung der Müdigkeit, der Blasenschwäche
und der Spastik.
Die erweiterte
Therapie nach dem 8-Säulen-Konzept, selbstverständlich unter Beachtung und Weglassung
von immunsystemschädigenden Einflüssen wie u.a. Nikotin und Schwermetallen,
erhöht diese Zahl auf 70 – 80%.
Die Therapie nach dem 8-Säulen-Konzept:
1. Die linol- und arachidonsäurereduzierte
Lebensweise als Grundvoraussetzung.
2. Die Nahrungsergänzung
mit Fischöl.
3. Die Vernichtung freier
Radikale und Hemmung der Entzündung mit Vitamin E.
4. Die Vernichtung freier
Radikale mit Selen.
5. Die Vernichtung freier
Radikale mit einer antioxidantienreichen Ernährung.
6. Die Nahrungsergänzung
mit Muschelextrakten.
7. Die Immunstärkung mit
Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien.
8. Die Psychohygiene, weil
psychischer Stress das Immunsystem schwächt.
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