XLS-Das moderne Gewichtscoaching nach Dr. Eichhorn: Man MUSS ESSEN um abnehmen zu können!
GranuVital "PowerMix": Mit Vitalstoffen allzeit frisch. Enthält Lutein und Zeaxanthin gegen Maculadegeneration
Verstopfung, klebrige, stinkende Stühle: Das Das Zauberwort heisst: "Reine Flohsamenschalen", reine Natur, zuckerfrei
Neu: Medizinische Thermographie (Wärmebildmessung): Untersuchung der weiblichen Brust (Krebs, Krebsverdacht, Krebsrisiko)

   
   
HomeUnternehmenMedizinwissenProdukteinformationenBestellungKontaktinformationenImpressum

 

 

Unter diesen Rubriken finden Sie Links zu weiteren Themen. Gesamtübersicht unter "medizinwissen"

Hier direkt zum Downloadbereich

 

Adipositas - Gewichtregulation
Arteriosklerose - Cholesterin - Homocystein - Gefässe
Allergie
Amalgam-Quecksilber
Anti-Aging
Arthrose, Osteoporose, Bindegewebe
Auge - Makuladegeneration
Chinesische Medizin
Darm - FXM - Säure-Basen Haushalt
Diabetes mellitus
Diverse Themen
Ernährung
Fachinformationen
Hirnstoffwechsel - ADHS - Neurotransmitter
Hormone - Wechseljahre - PMS - Cellulite
Humor
Immunsystem
Krebs - Onkologie
Links
Medizinische Thermographie
Motorradrouten
Multiple Sklerose
Nahrungsergänzungen
Neuraltherapie
Radiästhesie
Rauchen
Reisen - Tauchen - Natur
Rheuma, Polymyalgie, Fibromyalgie, Schmerz
Salutogenese
Schilddrüse
Sportmedizin
Vorträge - CD

Seeschlangen


Weihnachten 1970. Die silberne Nase des zweistrahligen Royal Thai Jets bohrt sich tief in die grauschwarze Wolkendecke, die schwer wie alter Plüsch über dem malaysischen Meer lastet

Zum Online Shop
Mehr Infos (Vorträge, Skripte, Broschüren) im Downloadbereich: Chinesische Medizin - TCM


Es regnet auf Penang Island und dies schon seit Tagen, wie nur der chinesische Portier mit breitem Grinsen erklärt. "Swimmen no good", lächelt er, "vely, vely dangerous, viele Seeschlangen, jetzt alle an Oberfläche, weil Wasser kalt.

Ein Bericht von Dr. med. Jürg Eichhorn

Seeschlangen sind zugleich die giftigsten Reptilien der Welt

Auf die Frage, ob er lieber von einer Kobra oder einer Seeschlange gebissen werden würde, antwortete mir ein malaysischer Fischer mit unverständlichen Lächeln: "Kobra, no question".


Seeschlangen sind ausnahmslos giftig

Einst Bewohner des Landes haben sie sich dem Leben im Wasser angepasst. Sie besitzen keine Kiemen, sondern Lungen und atmen Luft. Ihre Tauchzeit ist deswegen begrenzt, im Mittel je nach Art auf 10 bis 30 Minuten. Bisweilen können sie sich aber 2 bis 8 Stunden unter Wasser aufhalten. Die Fähigkeit zu solch langen Zeiten kann allem durch den sehr grossen rechten Lungenflügel, der bis in die Schwanzspitze hinein reicht, nicht erklärt wer- den. Vermutlich sind Seeschlangen befähigt, durch die Haut dem Wasser zusätzlich Sauerstoff zu entziehen. Auch ist anzunehmen, dass ihr Körper imstande ist, eine längere Sauerstoffschuld schadlos zu überstehen. Teile der Lunge sind vom Gasaustausch ausgesperrt und regulieren als hydrostatisches Organ den Auftrieb. Dieses Organ befähigt gewisse Arten sehr tief zu tauchen. Man spricht von 180 Metern, doch wissenschaftlich belegt ist diese Aussage nicht. Sie stützt sich lediglich auf Untersuchungen des Mageninhaltes.

Eine besondere Adaptation an das Salzwasser stellt eine unter der Zunge gelegene Salzdrüse dar. Sie scheidet laufend das vom Körper zuviel aufgenommene Salz wieder aus. Verirren sich Schlangen ins Süsswasser, so wird die Ausscheidung stark gedrosselt und das Überleben gesichert. 1934 fingen Eingeborene im "Grand Lac" in Kambodscha eine Meersschlange. Der Abfluss dieses Sees ist der Mekong River, den die Schlange flussaufwärts durchschwommen haben muss. Seeschlangen, vor allem die sehr gefährliche Enhydrina schistosa, halten sich überhaupt gerne im salzärmeren Wasser von Flussmündungen auf. Entsprechend häufig sind Unfälle in diesen Gebieten. Dabei sind es weniger Schwimmer, die gebissen werden, als vielmehr Badende und Fischer, die durch das untiefe Wasser waten. In einem Fall wurde ein Kind noch 5 Meilen flussaufwärts von einer Schlange tödlich gebissen.
Der Salzgehalt der Meere, in denen Seeschlangen vorkommen, liegt im Mittel bei 3,5 Prozent. Bei einem höheren Salzgehalt vermögen die Drüsen nicht mehr alles überflüssige Salz aus dem Körper auszuscheiden. Dies ist wohl der Grund, dass das Rote Meer mit einem durchschnittlichen Salzgehalt von 4 Prozent frei von Schlangen ist. Seeschlangen sind dank ihrem abgeflachten, ruderartigen Schwanz ausgezeichnete Schwimmer, die kraftvoll und mit viel Eleganz durchs Wasser gleiten. Es gibt auch Landschlangen, die gelegentlich baden gehen. So zum Beispiel die in den USA beheimatete ein Meter lange giftige Mokassinschlange oder die mit 8 bis 10 Metern grösste Riesenschlange, die ungiftige Anakonda. Sie unterscheiden sich von den Seeschlangen durch den zum Schwimmen ungeeigneten spitz zulaufenden Schwanz.
Der Wissenschaft sind ungefähr 50 verschiedene Arten bekannt. Ihr Vorkommen erstreckt sich von den tropischen Küsten Nordostafrikas über den persischen Golf bis nach Japan, Australien und den Samoa Inseln im Pazifik. Die im freien Meer lebende Plättchenseeschlange ist am weitesten verbreitet: Von Südostafrika über den Indischen und Pazifischen Ozean bis Lateinamerika und von Tasmanien bis zum südlichen Sibirien.
Frei von Schlangen sind das Mittelmeer, das Rote Meer, der Atlantik und, vorläufig noch, die Karibik: Sollte einmal der Panamakanal zu einer schleusenlosen Wasserstrasse ausgebaut werden, so droht diesem Meer eine Katastrophe. Seeschlangen würden in Kürze den Weg durch den Kanal finden und die Karibik mangels natürlicher Gegner lawinenartig bevölkern. Bis den ansässigen Tieren das Bewusstsein "Achtung giftig" eingeprägt sein wird, dürften die ökologischen Verhältnisse in diesem Raum empfindlich gestört worden sein.


Die gelbbauchige Plättchenseeschlange (Pelamis platurus)

Seeschlangen müssen unterschieden werden in solche, die ufernah leben und in solche, die im freien Wasser zu Hause sind. Die Plättchenseeschlange Pelanus platurus ist der Hauptvertreter dieser Gruppe, die 39 Arten zählt. In warmen Strömungen driften diese ausgesprochenen Oberflächenjäger über ganze Ozeane hinweg. Einmal an Land gespült, haben sie kaum eine Überlebenschance. 1972 strandeten bei Puerto Vallarta in Mexiko, vor den Augen entsetzter Badetouristen, 22 Plättchenseeschlangen. Sie haben die Fähigkeit, sich auch auf dem Lande fortzubewegen, vollständig eingebüsst. Paarung und Geburt erfolgen dementsprechend draussen im Meer. Nach einer Tragzeit von mindestens 5 Monaten schenkt ein Weibchen 5-6 Schlangenbabys das Licht der Welt. Ihre Körperlänge beträgt 22 bis 26 Zentimeter und sie erweisen sich schon am ersten Tag als recht gefrässig. Die Fische des freien Wassers haben die instinktive Gewohnheit, sich wenn möglich im Schatten von Treibgut aufzuhalten, um so Schutz zu finden vor gehässigen Feinden. Dies sehr zur Freude der darin lauernden Schlangen. Nun hat aber nicht jede Schlange das Glück eines solchen Logenplatzes: Ist einmal kein Treibgut vorhanden, so legen sie sich passiv aufs Wasser und amen etwas leblos Treibendes nach. Frohlockend ein schützendes Obdach gefunden zu haben, schwimmen die Fische nichts Böses ahnend nahe der Unterseite der Schlange. Einmal in Kopfnähe packt diese mit einer blitzartigen Seitwärtsbewegung zu.
Seeschlangen sind neugierig, nahe der Oberflache allgemein viel frecher und aggressiver. Ein Taucher an der Küste Malaysias musste dies sehr hautnah erfahren: Auf 18 Meter Tiefe stiess er auf eine Pelamis platurus, die sichtlich Angst zeigte vor diesem schwarzen, blasenspeienden Ungetüm. Der Taucher verfolgte die Schlange über dem Grund und diese strebte alsbald der Oberfläche zu. Jetzt änderte sich ihr Verhalten schlagartig. Wiederholt attackierte sie den Reissaus nehmenden Taucher. Die Bisse vermochten ihm allerdings nichts anzuhaben. Die Giftzähne fast aller Seeschlangen sind zu kurz, um einen 5 Millimeter dicken Neoprenanzug zu durchbohren.


Die ufernah lebenden Seeschlangen (Laticauda)

Ganz andere Verhaltensweisen und Eigenschaften weisen die ufernah lebenden Seeschlangen auf. Etwa 13 Arten sind bekannt. Hauptvertreter ist die farblich ausserordentlich schön gebänderte Schlange Laticauda laticaudina.
Sie haben die Fähigkeit bewahrt, sich auf dem Lande aufzuhalten und fortzubewegen. Wie die wahrscheinlich ältesten Vertreter der Reptilien, die Schildkröten, sind sie amphibisch. Wir begegnen ihnen in Höhlen, Grotten oder Spalten, in Felsformationen, Gezeitentümpeln, in Korallenriffen und über Schlickgrund. Immer auf der Suche nach Fischen, Krebsen und Röhrenaalen. Ihr Tauchvermögen ist besser entwickelt als das der Plättchenseeschlangen. Nach einer Geschlechtsreifung von rund drei Jahren legen die Weibchen 5 bis 7 Eier, vornehmlich in den geschützten Spalten, Rissen und Höhlen der Küste. Einige Arten verlassen dabei das Wasser und vollziehen die Eiablage auf dem Land. Oft sammeln sie sich zur Paarungszeit und wandern dann zur Eiablage zu kleinen, unbewohnten Inseln. Dort trifft man sie in Horden zu Hunderten oder Tausenden. Eine Tatsache, die sich die kommerzielle Schlangenfängerei zu Nutze macht.
Die "Balingkasaw", so nennen die Philippiner die Laticaudaarten, sind überaus schöne Schlangen. Sie zeigen 40 bis 50 schwarze Querstreifen auf zartem, gräulichblauem oder grünlich schimmerndem Grund. Wegen ihrer Länge von 1,5 bis 2 Meter und dem beachtlichen Durchmesser eignen sie sich hervorragend für Schlangenleder. Clevere Geschäftsleute aus Japan witterten das einträgliche Geschäft zuerst. 1934 gründeten sie auf Gato Island nahe der Philippineninsel Cebu die erste kommerzielle Schlangenfischerei. Die Häute wurden dann nach Japan verschafft und als "japanisches" Schlangenleder nach Europa exportiert, wo es zu Taschen, Schuhen, Arm- und Uhrenbändern verarbeitet wurde. Bis in die fünfziger Jahre bedeutete es den feinen Damen der Gesellschaft besondere Extravaganz, für einmal nicht "Kroko", sondern "Seeschlange" zu tragen.
Auch das Fett der Schlangen findet Verwendung. Pro Tier gewinnt man 200 bis 300 Gramm. Nach dem Kochen bleiben davon rund 100 Milliliter Öl übrig. Dieses enthält viel Vitamin A und findet sowohl in der Butter- und Margarinenherstellung, als auch in der Industrie Verwendung.
Die ufernah lebenden Seeschlangen sind allgemein viel freundlicher. Sie tun niemandem etwas zu leide und sind lange nicht so aggressiv wie ihre Verwandten draussen im Meer gelegentlich zu sein pflegen. Die Kinder auf den Fidschi Inseln und Bali machen sich ein Spiel daraus, in den Gezeitentümpeln nach ihnen zu suchen und sie vorsichtig mit der locker gehaltenen Hand zu fassen.


Gefährliche Jagd

Die armen philippinischen Fischer bedienen sich besonders makabrer Methoden. Als "Snake Patrol" fahren sie der Küste entlang und halten genau über dem Ort, wo sie eine zum Atmen aufgetauchte Schlange gesichtet haben. Einer der Männer lässt sich unverzüglich mit einem Stein beschwert in die Tiefe und fangt das langsam abtauchende Tier. Lebend werden diese auf einen Bambusstab gespiesst und über leisem Feuer gegrillt.
Andere Fischer sind noch mutiger. Sie bringen ein spitz zulaufendes Netz mit Köderfischen auf Grund, 10 bis 12 Meter tief, und beobachten das Geschehen von oben. Es dauert im allgemeinen nicht lange bis die Schlangen über die Köder herfallen. In diesem Augenblick taucht einer der Männer hinab und zerrt die Schlangen aus dem Netz. Mit jedem Tauchgang bringt ein guter Schlangenfänger bis 6 Tiere, drei in jeder Hand, nach oben. Im Mittel erbeutet ein Fischer so etwa 40 Tiere pro Tag. Schlangen sind dämmerungsaktive Räuber. Entsprechend ergiebiger ist der Fang bei hereinbrechender Dunkelheit.
Die Fischer Vietnams wenden einen einfacheren Trick an. Sie werfen neben dem Boot Köderfische ins Wasser und warten mit asiatischer Gelassenheit bis sich eine Schlange heranpirscht. Dann packen sie mit der nackten Hand mutig zu. So fangen sie auch die kräftige und sehr aggressive Lapemis hardwickii. "Walo Walo" nennen die Vietnamesen diese gewandte und farblich sehr vielfältige Schlange.
Der grösste Feind der Seeschlange ist der Mensch und ausser ihm haben sie kaum ein Lebewesen zu fürchten. Unter Wasser dürften es lediglich Haie und Wale sein, die häufiger Seeschlangen verspeisen. Gefahr droht den Schlangen auch aus der Luft: Seevögel und Adler bereichern gern ihren Menuzettel mit zartem Schlangenfleisch.


Die Vergiftung

In der Zeit von 1957 bis 1964 wurden im Inselspital von Penang 101 Seeschlangenvergiftungen behandelt: 10 Badende und 91 Fischer. Bei 8 Opfern kam jegliche Hilfe zu spät. Sie starben an Atemlähmungen, bis fast zum letzten Atemzug bei vollem Bewusstsein. Gemessen an den Tausenden von Badetouristen, dies sei zur Beruhigung angehender Südseeinsulaner doch gesagt, sind Schlangenbisse bei Badenden extrem selten. Ungleich häufiger sind Vergiftungen durch Steinfische, Stechrochen und andere.
Der Biss ist Heimtückischerweise fast schmerzfrei und die Hautverletzung wegen der Feinheit der Zähne oft kaum zu sehen. Blutung und Schwellung im Bereich des Bisses, typisch für Stein und Rotfeuerfischvergiftungen, werden nie beobachtet.
Nach einer symptomfreien Zeit von 10 Minuten bis mehreren Stunden, im Mittel 30 bis 90 Minuten, erscheinen die ersten Anzeichen der Nervenverlähmung: die Zunge wird schwer, der Hals trocken. Oft gesellen sich Übelkeit und Erbrechen hinzu. Angst beschleicht den Patienten, er wird unruhig, gelegentlich euphorisch und alles ist ihm dann gleichgültig. Die Glieder werden steif und schmerzhaft, die Beine verlieren zusehends die Kraft den Körper zu tragen. Die Lähmung ist meist aufsteigend: nach den Beinen versagt die Bauch- und Atemmuskulatur. Schliesslich atmet er nur noch mit dem Zwerchfell. Der Vergiftete erweckt so den Anschein eines Schlafenden, bleibt aber bis zum Tode bei vollem Bewusstsein. Dieser tritt in 25 Prozent der Fälle innerhalb der ersten 8 Stunden nach dem Biss ein, in 50 Prozent zwischen 8 und 24 Stunden und in 25 Prozent im Verlauf von 3 Tagen. Wird der 3. Tag überlebt, so heilt die Vergiftung meist restlos aus.
Die wirksamste Behandlung besteht in der Verabreichung eines Gegengiftes. Abbinden und Aussaugen der Biss- wunde sind nur von geringem Wert.
Heisse Umschläge nützen, im Gegensatz zur Steinfischvergiftung, nichts. Wichtig: Betroffenes ruhigstellen und nicht mehr bewegen. Stecken gebliebene Giftzähne mit einer Pinzette oder mit einem gespannten Haar entfernen. Sich unbedingt die Art der Schlange merken, denn die Behandlung mit Gegengift ist mit Risiken verbunden und sollte nicht unbegründet angewendet werden. Bei Atemstörungen Mund-Nase Beatmung, eventuell über mehrere Stunden, solange jedenfalls bis die Spontanatmung wieder einsetzt.


Das Gift

Das Gift der Seeschlangen, eine farblose bis leicht gelblich schimmernde, zähe Flüssigkeit, ist ein Gemisch verschiedener giftiger Eiweissverbindungen. Besondere Bedeutung kommt dabei einem Neurotomin zu, das nervenlähmend wirkt und letztlich für den Tod verantwortlich ist.
In den Giftdrüsen lagern durchschnittlich 10 bis 15 mg Gift. 3 bis 10 mg wirken aber bereits tödlich. Und trotzdem: ¾ aller Schlangenbisse verlaufen harmlos wie ein Nadelstich und nur ¼ zeigt tatsächlich Symptome einer Vergiftung. Von diesem Viertel sterben unbehandelt 5 bis 35 Prozent.
Nur eine Laune, gar ein Zufall der Natur? Eine nicht bewiesene, biologisch aber denkbare Erklärung bietet sich uns an: Schlangen beissen ökonomisch, das heisst, sie gebrauchen ihre Waffe Gift wohldosiert. Es wäre für sie unwirtschaftlich, einen kleinen Fisch mit einer Überdosis Gift zu lähmen oder einen Angreifer, sei es Fisch oder Mensch, gleich zu töten. Das Giftreservoir würde sich so zu rasch erschöpfen. Warn oder Verteidigungsbisse mit keiner oder nur geringer Giftabgabe sind häufig und dienen der Erhaltung der angreifenden Art.


Seeschlangen - Ungeheuer der Meere?

Es wäre unklug, Seeschlangen harmlosen Blindschleichen gleichzusetzen, aber bösartige Bestien? Nein, das sind sie keineswegs. Die Furcht vor Schlangen sitzt dem Menschen von alters her fest im Nacken. Vorurteile, tiefverwurzelt in seiner Seele, hemmen seinen sonst ach so rationalen Geist. Dr. Harald Heatwole, Professor für Zoologie an der Universität von Neu England in Australien, ist von solchen Vorurteilen längst befreit.
Von Gato Island, dem Hauptsitz der philippinischen Schlangenfischerei, berichtet er: "Über mehrere Tage hinweg beobachteten wir unter Wasser eine dichte Population von olivgrünen Aipysurus laevis, die in der Literatur als sehr aggressiv bezeichnet werden. Nun geschah es mehrmals, dass einzelne Schlangen direkt auf mich zuschwammen, manchmal noch aus einer Entfernung von zehn Metern oder mehr. Die einen Tiere vom freien Wasser her, andere wiederum ihr schützendes Korallenversteck verlassend. Die langsame, bedächtige Schwimmweise lies wohl einen Zweck vermuten, deutete aber keineswegs auf einen Angriff hin. Immer verhielt ich mich dabei ganz ruhig und erlaubte den Schlangen, sich mir zu nähern. Elegant und mit viel Harmonie zogen
sie durchs Wasser, schwammen an meiner Seite und berührten mit ihrer feinen Zunge mehrmals meine unbedeckte Haut oder den Tauchanzug.
Eine solche Erkundung meines Wesens dauerte nie länger als zehn Sekunden, oft nur Augenblicke. Nachdem sie so ihre Neugierde gestillt hatten, zogen sie jeweils bedächtig schlängelnd von dannen. Andere Arten in anderen Gewässern zeigten gleiche Verhaltensweisen. Nie wurden wir dabei gebissen. Meist waren sie uns Tauchern gegenüber völlig gleichgültig und liessen uns sogar ganz nahe an sie herankommen. Ein Taucher berichtete, dass er eine Schlange, nur 25 Zentimeter von seiner Gesichtsmaske entfernt, die längste Zeit beobachten konnte wie sie den Grund nach Nahrung absuchte.


In der Paarungszeit gilt, so betont Professor Heatwole, für viele Schlangen diese friedliche Art der Begegnung nicht mehr. Dann genügen schon harmlose Belästigungen, etwa ein heftiger Flossenschlag um unter Umständen heftige Attacken auszulösen. Die harmonischen, wellenförmigen Schwimmbewegungen werden augenblicklich zu ruckartigen Stössen, so dass man den Eindruck erhält, der Kopf schnelle vor und zurück. Mit erstaunlicher Schnelligkeit schiesst die Schlange durchs Wasser und attackiert den Belästiger. Charakteristisch hierbei ist die Ausdauer, mit welcher sie einen fliehenden Taucher über längere Distanz verfolgen, immer wieder angreifen und beissen kann. Abwehrversuche mit Flossen, Stöcken und dergleichen bleiben meist hilflose Unterfangen und reizen die Schlange nur noch mehr. Der Angriff einer wütenden Seeschlange kann zu einem erschöpfenden Erlebnis führen, das dem Taucher tief im Gedächtnis haften bleiben wird. Falls er den Angriff überlebt. Es gibt nämlich Seeschlangen, deren Giftzähne Sechs-Millimeter-Neopren zu durchdringen vermögen. So die orangerote Astrotia stokesii, die vor allem in den Gewässern Malaysias beheimatet ist.
Attacken gereizter Seeschlangen ausserhalb der Paarungszeit können gleichermassen heftig erfolgen. Nur liegt die Reizschwelle um etliches höher und ist zudem von Art zu Art verschieden.
Seeschlangen - Ungeheuer der Meere? Nochmals ein klares Nein. Und dieses Nein wird sicher unterstützt von Dr. McCosker, Direktor des Steinhart-Aquariums in San Franzisko, Kalifornien: "Ich war soeben damit beschäftigt, eine Fischfalle, die wir zu Versuchszwecken auf dem Grund angebracht hatten, zu lösen, als plötzlich eine Schlange in meine Nähe kam.
Sie ringelte sich behutsam um meinen Arm und wartete beharrlich, bis ich die Falle losgelöst hatte, wohl in der irrigen Meinung, sich an den Fischen, fürs Aquarium bestimmt, genüsslich zu tun. Ich versuchte, sie mit leichten Schüttelbewegungen loszuwerden. Die Schlange war aber keineswegs bereit, auf die billige Mahlzeit zu verzichten. So blieb mir nichts anderes übrig, als mit meinem unliebsamen Begleiter aufzutauchen. An der Oberfläche schleuderte ich sie mit einem plötzlichen Ruck ins Boot, sehr zum Entsetzen meiner Assistenten. Es war eine Pelamis platurus, die, wenn einmal gereizt, äusserst aggressiv reagieren kann. "


Seeschlangen sind die häufigsten Reptilien der Welt

Am 4. März 1932 sichteten Matrosen in der Strasse von Malakka, zwischen Malaysia und Sumatra, eine Ansammlung von mehreren Millionen orangeroter und schwarzer Seeschlangen, eine schlängelnde Masse, drei Meter breit und rund hundert Kilometer lang. Die spanischen Seefahrer des 16. Jahrhunderts wussten von enormen Horden gelbbauchiger Seeschlangen entlang der südamerikanischen Pazifikküste zu berichten. In Puerto Marques, einer stillen Bucht etwas abseits vom mondänen Badeort Acapulco, begegnete ich vor Jahren einem alten Fischer, dessen Fanggründe einige Meilen ausserhalb Acapulcos lagen. In seinen Netzen drei sehr giftige Plättchenseeschlangen. An bewölkten oder regnerischen Tagen, so berichtete er mir, seien es oft noch mehr, gelegentlich über hundert. Auf den japanischen Amani-Inseln werden jährlich 50'000 Schlangen ihrer Haut wegen gefangen. In der Nähe der fruchtbaren Philippineninsel Cebu sogar weit über 100000.


Begegnung im Meer - Was der Taucher wissen muss

Unprovozierte Angriffe kommen wahrscheinlich vor, sind aber sicher extrem selten.
Schlangen sind neugierig und schwimmen gelegentlich auf Taucher zu. Die Schwimmweise ist langsam und bedächtig. Verhält sich der Taucher ruhig und gelassen, so erfolgt kein Angriff.
Viele Bissattacken auf Taucher werden ausgelöst durch hastige Abwehrbewegungen gegen eine sich nur aus Neugierde nähernde Schlange.
Besonders in der Paarungszeit sind die Schlangen vermehrt reizbar und aggressiv.
Bei einem Angriff schnellt die Schlange ruckartig mit hoher Geschwindigkeit durchs Wasser und beisst oft mehrmals zu.
Charakteristisch ist die Ausdauer, mit welcher sie einen fliehenden Taucher verfolgen können.
Abwehrversuche mit Flossen und Stöcken reizen die Schlangen nur noch mehr.
Bei einem Angriff vermeide man hastige Bewegungen. Abtauchen stoppt vielfach den Angriff. Flucht zur Oberfläche weckt noch mehr Aggressionen .
Tauchanzüge schützen weitgehend vor Vergiftungen.
Nicht jeder Biss in die Haut hat eine Vergiftung zur Folge. Verteidigungsbisse mit wenig Giftabgabe stehen im Gegensatz zu den Jagdbissen, die die rasche Tötung eines Beutetieres oder eines gefährlichen, hartnäckigen Angreifers zum Ziele haben.


Und noch etwas Kulinarisches

Bis vor kurzem gab es in Manila ein besonderes Restaurant. Es hiess Mariposa de Vida und war vor allem bei Japanern und Orientalen als einschlägiger Hit bekannt. Die servierten Gerichte sollten aphrodissisch wirken, das heisst, den Geschlechts- und Liebestrieb beleben. Seeschlangenmenüs standen dabei hoch im Kurs: gebacken, gebraten, geröstet oder gekocht, mit und ohne Haut. Wer es aber besonders nötig zu haben meinte, bestellte Schlange "life": Der Gast schnitt der noch lebenden Schlange, vom Patron auf einem Holzbrett säuberlich präsentiert, die Kehle durch und schlürfte wonniglich erst einmal ihr Blut. Dann schnitt er den noch schlängelnden Rest scheibenweise ab, würzte reichlich mit Soya-Sauce nach und verschlang die Stücke roh. Diese urchig-rustikale Zubereitung wurde vor allem von Japanern immer wieder gewünscht. Japanerin sollte man sein...
Die Orientalen dagegen bevorzugten à la mode du Chef "Adobo". Hier das Rezept - in Ermangelung von Seeschlangen versuche man es hierzulande vielleicht mit Aalen: Schlangenfleisch in kleine Scheiben schneiden und in Essig marinieren. Dann mit viel Knoblauch und Jamaika-Pfeffer pikant würzen. Zehn Minuten einziehen lassen, eventuell zart einmassieren. Anschliessend 30 Minuten im Salzwasser gar kochen. Danach gut abtropfen lassen, beidseitig knusprig anbraten, mit Zwiebeln und Tomaten garniert servieren.
Rohes Schlangenfleisch wirkt natürlich viel "intensiver". Deswegen wurde zu "Adobo" auf Wunsch noch ein spezielles Getränk gemixt. Den Saft von drei frischen Schlangengallenblasen zu einem Glas Wein geben und mit einem Löffel gut mischen oder drei getrocknete Gallenblasen in Kaffee mehrmals aufkochen lassen, sieben und heiss servieren.
Wahrlich es nützt, bei Poseidon, dem Meeresgott, dem Herr der Seeschlangen, seinen treuen Gehilfen!