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Polymyalgia rheumatica - Sanfte Therapie aus der Natur

Polymyalgia rheumatica ist eine entzündliche Erkrankung der Muskulatur mit Schmerzen im Nacken-, Schulter- und Beckengürtel, die besonders nachts, morgens und nach Ruhepausen verstärkt auftreten. Die Polymyalgia rheumatica wird langzeitig mit Kortison behandelt. So jedenfalls wird das Krankheitsbild schulmedizinisch durchaus richtig charakterisiert. Dass mit einer gegen den Entzündungsmechanismus gerichteten Ernährungs- und Lebensweise massiv Kortison eingespart und die Krankheitsdauer verkürzt werden kann, zeigt eindrücklich der Fall R.S. (weiblich) aus Herisau, Schweiz:  

Die Leidensgeschichte der 60-jährigen Herisauerin begann im Sommer 1996 mit ausgeprägten Nacken- und Schulterschmerzen. Die  massiv erhöhte Senkungsgeschwindigkeit der roten Blutkörperchen (BSG) und das klinisch typische Bild führten rasch zur Diagnose „Polymyalgia rheumatica“. Die korrekt durchgeführte Kortisonbehandlung brachte wohl eine rasche Linderung, aber nie Beschwerdefreiheit.

Im Oktober 1997, angesichts einer drohenden Osteoporose, entschloss sich Frau R.S. trotz den noch vorhandenen Beschwerden auf das Kortison, 3 mg Prednison, gänzlich zu verzichten. Innerhalb von nur 3 Wochen stellten sich die alten Schmerzen wieder ein und die BSG stieg von 40 auf 72 mm/h. Ein Rheumatologe injizierte Kortison und verordnete 5 mg Prednison als Tabletten was eine gewisse Linderung mit sich brachte.

Verzweifelt erschien Sie in unserer Praxis. Die Nacken- und Schulter-Beckengürtelschmerzen krallten sich mittlerweile Tag und Nacht mit Vehemenz an ihr fest.

Keinesfalls wollte Frau S. wieder auf  Kortison hochdosiert zurückgreifen. Über die möglichen Komplikationen, Entzündung der Arterien und Gefahr der Erblindung, wurde sie eingehend informiert.

Im Dezember 1997 Einleitung einer entzündungshemmenden Therapie auf der Basis des

„8 Säulen-Konzepts“, einer bei entzündlichen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Colitis ulcerosa, rheumatoider Arthritis und anderen entzündlichen Krankheiten mittlerweile sehr bewährten Therapieform.

 

Das 8 Säulenkonzept der entzündungshemmenden Therapie: 

1.       Die linol- und arachidonsäurereduzierte Lebensweise als Grundvoraussetzung.

2.       Die Nahrungsergänzung mit Fischölkapseln.

3.       Die Vernichtung freier Radikale und Hemmung der Entzündung mit Vitamin E.

4.       Die Vernichtung freier Radikale mit Selen.

5.       Die Vernichtung freier Radikale mit einer antioxidantienreichen Ernährung.

6.       Die Nahrungsergänzung mit Muschelextrakten.

7.       „Immunstärkung“ mit Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien.

8.       Die „Psychohygiene“.

 

Die bescheidene 5 mg Prednisondosis wurde vorerst beibehalten. Bereits nach 2 Wochen, und zwar mit jedem Tag spürbar rascher,  flauten die zuvor schier unerträglichen Schmerzen ab und das Gemüt hellte auf. Ende Januar 1998 war Frau S. absolut schmerzfrei. Sie ist es bis heute geblieben und unternimmt wieder weite Bergwanderungen. Im April 1998 betrug die BSG lediglich noch 21 mm/h. Wir reduzierten das Kortison in langsamen Schritten auf  0.5 mg täglich. Die hohe Dosierung der oben erwähnten Nahrungsergänzungsmittel  konnte nach 3 Monaten in grösseren Etappen auf heute je 1 Kapsel als Erhaltungsdosis beschränkt werden. 

Der beschriebene Fall zeigt eindrücklich wie mit Einbezug natürlicher Mittel und Beachtung der Gesetzmässigkeiten der Entzündung eine augenfällig viel raschere Besserung sowohl der Klinik als auch der objektivierbaren Entzündungsparameter (BSG) erreicht werden kann.

 

Die zwei Mannschaften: Omega-6 und Omega-3 Fettsäuren   

Einfach ausgedrückt:      Omega-6 Fettsäuren fördern die Entzündung,
                                  
Omega-3 Fettsäuren bremsen die Entzündung 

Noch vor wenigen Jahren fanden Begriffe wie „Linolsäure“ oder „Arachidonsäure“ in medizinischen Büchern und Zeitungen kaum Erwähnung, geschweige denn wurde ihre enorme Bedeutung für die Entzündung erkannt. Tierischen Fetten und Fleisch im allgemeinen haftete schon vor 20 Jahren der Ruf an, entzündungsfördernd zu wirken und das Gebot nach Reduktion erlangte mehr und mehr Popularität. Heute wissen wir, dass wir damit die Aufnahme des „Brennstoffs“  Arachidonsäure reduzieren. Fasten wurde „in“ und erfuhr als „Rheuma-Fasten“ eine neue Dimension. 

Zeitgleich mit der Abwertung der tierischen Fette wurden die „hochwertigen“ pflanzlichen Öle, die Margarine, die Vollkornprodukte und die Nüsse zur Anti-Rheuma-Nahrung schlechthin hochstilisiert. Wie wir heute wissen bedarf diese mittlerweile tiefverwurzelte Volksmeinung einer Korrektur. 

Omega-6 und Omega-3 Fettsäuren sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Sie sind lebenswichtig und müssen mit der Nahrung zugeführt werden, das heisst, sie sind für uns essentiell. 

Der wichtigste Vertreter der Omega-6 Fettsäuren ist die Linolsäure. Für die Pflanze ist die Linolsäure die Speicherform der Energie. Planzliche Fette und Öle sind linolsäurereich. Distelöl besteht zu 74% aus Linolsäure. Olivenöl lediglich zu 8%. Rheumatiker sollten auf Distelöl zugunsten des Olivenöls verzichten. Aus Linolsäure wird nämlich über das Zwischenprodukt Gamma-Linolensäure der eigentliche Brennstoff jeder Entzündung, die Arachidonsäure hergestellt.

Fischöl auf der anderen Seite ist der Gegenspieler der Entzündung. Gewonnen aus dem Fett bestimmter Kaltwasserfische wie Heringe und Lachs, enthält Fischöl eine beachtliche Menge essentieller Fettsäuren, vor allem Omega-3 Fettsäuren.

Einerseits verleihen diese Säuren den Zellwänden Geschmeidigkeit, Elastizität und Festigkeit.

Andererseits sind sie die Hauptakteure jeglicher entzündlicher Vorgänge im menschlichen und tierischen Organismus. Bei einer Entzündung werden aus der Arachidonsäure entzündungsförderne und aus den „Fischölen“ mehrheitlich entzündungshemmende Botenstoffe freigesetzt. Sie halten sich gegenseitig in Schach.

 

Diese Kenntnis gilt es zu nutzen und in ein praktikables Konzept umzusetzen:


Niederhalten der „feindlichen Armee“:  

Arachidonsäurearme Lebensweise

Nachschub an „Kämpfern“ drosseln: 

Mässigung im Linolsäureverzehr

Stärkung der  „Verteidigung“:
 
Nahrungsergänzung mit Fischöl

Stärkung der Logistik:
 
Vitamine, Mineralien, Spurenelemente

Einschleusen von „Guerillakämpfern“,
die mit Störaktionen den Feind
auf seinem Boden bekämpfen:
Antioxidantienreiche Ernährung gegen freie            Sauerstoffradikale (Brokkoli, Kohlarten, Grüntee)

 

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Omega-6 und Omega-3 Verbindungen ist eine entscheidende Voraussetzung für unsere Gesundheit.  Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 sollte von derzeit 8:1 auf 5:1 verändert werden. Die Arachidonsäure ist ein rein tierisches Produkt und kommt in der Pflanzenwelt nicht vor. Der Entzündungskranke muss sich also in allererster Linie um eine arachidonsäurearme Ernährung bemühen: Fleisch maximal 2x/Woche. In Frage kommt nur Magerfleisch. Speziell arachidonsäurearm sind Rinds- oder Lammfilets und Hühnerbrust. Ebenso sind Milch-und Milchprodukte nicht uneingeschränkt zu verzehren. Insbesondere beim Käse ist stets auf Fettarmut zu achten.

Bei unserer tierfettreichen und damit arachidonsäurereichen Ernährungsweise sieht der Körper keine Veranlassung Arachidonsäure aus der Linolsäure herzustellen. Bei längerdauernder strikter arachidonsäurearmer Ernährung erinnert sich der menschliche Stoffwechsel wieder an die Linolsäure und stellt daraus seinen „Brennstoff“, eben die Arachidonsäure, her. Bereits einmalige Diätfehler (Erdnüsse, Baumnüsse, Distelöl) können bei dazu disponierten Kranken entzündliche Schübe auslösen. Aufgrund solcher Erfahrungen ist vom reichlichen Linolsäureverzehr dringend abzuraten.  

Dieses Gebot ist neu, beinahe revolutionär. Was fast jahrzehntelang für den Rheumatiker als uneingeschränkt gesund angepriesen wurde, die hochwertigen pflanzlichen Öle, die Nüsse und die Vollkornprodukte, gilt in diesem Ausmass nicht mehr.

Bei der Ernährungsberatung ist auf Individualität grösster Wert zu legen, insbesondere was die Linolsäure angeht. Die Tagesmenge soll stets dem Krankheitsgeschehen angepasst sein. 2g/Tag als absolut unterste Grenze dürfen längerfristig nicht unterschritten werden ansonsten Mangelerscheinungen zu befürchten sind. Der Tagesbedarf eines Gesunden wird mit 10g angegebenen vorausgesetzt, die Ernährung beinhaltet genügend Omega-3 Fettsäuren, beziehungsweise „Fischöl“. Rheumakranken gestehen wir 3-4g pro Tag zu. Der Bedarf an Omega-3 Fettsäuren ist mit 2-3 Fischmahlzeiten pro Woche gut abgedeckt (Kaltwasser-Meerfische). Das Problem dabei ist die nicht unerhebliche Belastung der Meerfische mit Schadstoffen, allen voran Quecksilber. 

Die Tatsache, dass mit einer entsprechenden Ernährungs- und Lebensweise, gegebenenfalls Zufuhr von Nahrungsergänzungsmitteln wie Fischöl, Vitamin E und anderen, jede Art von chronischer Entzündung im menschlichen Körper beeinflusst werden kann, soll je länger je mehr unser Bewusstsein prägen. Es ist an der Zeit, dass sich die Schulmedizin hier öffnet und frei macht für neues Gedankengut.

Dann sollten solch beschämende Antworten wie diese einer Spezialistin für Rheumatologie gegenüber einer meiner Patientinnen auf ihre Frage nach der richtigen Ernährung bei Rheuma nicht mehr vorkommen:

„Sie dürfen alles essen, auch Fleisch, Schweinefleisch, das schadet ihrem Rheuma nicht“.