Ursache der Zöliakie, beziehungsweise der
sog. glutensensitiven Enteropathie:
a) äussere Einflüsse (glutenhaltige
Nahrungsmittel)
b) genetische Faktoren (gehäuft bei Verwandten 1. Grades)
c) immunologische Faktoren (Entzündung an der Dünndarm-Schleimhaut,
T-Zellen)
d) mögliche zusätzliche Faktoren (Infektionen?)
Die Glutenkrankheit ist eine immunologische Erkrankung des Darmes, die durch
ein Nahrungsprodukt, das Gliadin, ausgelöst wird. Es handelt sich dabei
um die alkohollösliche Fraktion des Weizenklebers Gluten.
Das toxische Gliadin ist allerdings nicht nur
im Weizen, sondern auch in Roggen, Gerste und Hafer enthalten.
Mais und Reis sind glutenfrei
Gliadin ist oft in Nahrungsmitteln versteckt:
Im Rahmen der weltweiten Weizenüberproduktion hat Gluten in der Nahrungsmittelindustrie
als Proteinquelle Eingang in viele Nahrungsmittel wie Suppen, Kuchenmischungen,
Stabilisatoren, Kleber, Kaugummis etc. gefunden, die oft nicht primär als
glutenhaltig erkannt werden können oder als solche deklariert sind.
Die Zöliakie des Kindes beziehungsweise die Sprue des Erwachsenen beziehungsweise
die Glutenproblematik im Allgemeinen kommt in Deutschland und im übrigen
Europa viel häufiger vor (Vorkommen 1 : 500) als bisher nach klinischen
Daten anzunehmen war (1 : 2300).
Dies erklärt sich einerseits aus dem Wandel des Erscheinungsbildes sowohl
bei Kindern wie auch bei Erwachsenen. Andererseits können heute mithilfe
von Antikörperbestimmungen atypische oder stumme Verlaufsformen dieses
Krankheitsbildes früher erkannt werden.
Bei vielen Patienten ist die Sprue noch nicht
entdeckt:
Bei chronischen Blähbauche ist stets an eine Glutenursache zu denken!
Vom Auftreten der typischen klinischen Symptome (Gewichtsverlust, Durchfälle,
Blähbauch) bis zur endgültigen
Diagnose vergehen oft mehrere Monate bis Jahre.
Die klassische Sprue des Erwachsenen:
-Blähbauch
-Durchfälle
-Gewichtsverlust
-Malabsorption mit Stearrhö (fettigen, klebrigen Stühlen)
-Vitamin- und Mineralienmangelsymptome
Typischerweise existieren ein Zottenschwund der Dünndarmmukosa sowie
positive Sprue-Antikörper (IgA-anti-Gliadin, IgA-anti-Endomysium, IgA-anti-Gewebstransglutaminase).
Bereits wenige Wochen oder Monate nach einer strikten glutenfreien Diät
verschwinden die Symptome und die Morphologie der Dünndarmmukosa bessert
sich bis hin zur Normalisierung.
Das klinische Spektrum der Sprue des Erwachsenen hat sich in den letzten Jahrzehnten
verändert. Bei weniger als 50 Prozent der Patienten bestehen keine Magen-Darmstörungen
Die atypischen Erscheinungsformen im Erwachsenenalter:
- Dermatitis herpetiformis Duhring
- Eisenmangelanämie
- Kleinwuchs
- Zahnschmelzhypoplasie
- Arthritis und Arthralgien
- Chronische Hepatitis und Transaminasenerhöhung
- Osteoporose
- Neurologische Symptome
- Andere Symptome wie Abortneigung und Infertilität
Das "Eisbergphänomen":
Bildquelle: unbekannt
Latente Zöliakie:
Unter Normalkost normale Dünndarmschleimhaut und keine Beschwerden.
Unter einer glutenreichen Kost Entzündungen der Darmschleimhaut und Beschwerden.
Silente (stille) Zöliakie:
Schädigungen der Darmschleimhaut (subtotaler Zottenatrophie)
Noch keine Malabsorption oder Ernährungsdefizite erkennbar.
In der Regel wenig Beschwerden.
Potentielle Zöliakie:
Dabei handelt es sich um Fälle, die nie das klassische histologische Bild
einer flachen Dünndarmmukosa, aber immunologische Abweichungen aufweisen,
wie sie häufig bei Zöliakie vorkommen.
Risikokriterien für Zöliakie/Sprue/glutensensitive
Enteropathie:Glutenabklärung
notwendig!
• Chronische Bauchschmerzen - Blähungen
• Unklare Eisenmangelanämie, Alopezie, Osteoporose
• Unklar erhöhte Serum-Transaminasen
• Diabetes mellitus, Autoimmunerkrankungen, Rheumatoide Arthritis
• Verschiedene neurologische Erkrankungen
• Betroffene Verwandte 1. Grades
• Minderwuchs, verzögerte Pubertät
• M. Down, Turner-Syndrom
• Dermatitis herpetiformis Duhring
• Mukoviszidose, M. Crohn
Therapie:
Strikte Einhaltung einer lebenslangen GFD (glutenfreie Diät) .
Sämtliche Nahrungsmittel, die Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Dinkel und
Grünkern enthalten, müssen eliminiert werden. Die Toxizität von
Hafer wird in einigen Studien angezweifelt und ist noch nicht endgültig
geklärt.
Erlaubt sind Reis, Mais, Quinona, Buchweizen, Soja, Kartoffeln, alle Gemüse-,
Obst-, Fleisch- und Fischsorten etc. Minimal tolerable Glutenmengen in der Nahrung
sind noch immer nicht endgültig festgelegt. Laut Codex alimentarius sollten
20 mg Gluten pro Tag nicht überschritten werden.
Das "Leaky Gut Syndrom" - Syndrom des
undichten Darmes:
Patienten mit einem undichten Darm (Hinweise sind stinkende und klebrige Stühle
sowie chronische Verstopfung oder Durchfälle) können eine Glutenproblematik
entwickeln, insbesondere unter glutenreicher Ernähungsweise! Im Blut oder
auch im Stuhl erscheinen Anti-Gliadin" Antikörper.
Unter einer entsprechenden Therapie ("Hauptstrasse der Ernährung"
und Einnahme von einem reinen Flohsamenschalenpräparat = sehr wichtig),
sowie unter einer strikten Meidung aller glutenhaltigen Nahrungsmitteln kann
sich die Darmschleimhaut vollständig erholen (in der Regel sind dann auch
die Antikörper nicht mehr nachweisbar). Glutenhaltige Nahrungsmitteln in
vernünftigen Massen werden dann problemlos wieder toleriert.