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DHEA und DHEA-S


DHEA ist ein wertvoller Indikator für das Altern und die Lebensdauer. DHEA könnte - sinnvoll und n iedrig dosiert eingesetzt - ein wirkungsvolles "Anti-Aging" Medikament werden


DHEA
bildet beim Mann vorwiegend Östrogen und bei der Frau vorwiegend Testosteron
.

Viele Untersuchungen zu DHEA stammen aus Tierversuchen. Das letzte Wort beim Menschen ist also noch nicht gesprochen. Den vielen positiven Effekten steht das mögliche Risiko für hormonabhängige Tumoren (Brustkrebs, Prostatakrebs) und Zunahme des Herz-Kreislauf-Risikos bei Frauen entgegen. Hier - wie überhaupt in der Hormontherapie - gilt die Regel: Immer die niedrigste wirksame Dosis anstreben.

DHEA und DHEA-S: Vorwiegend in den Nebennieren aus Pregnenolon bezw. Cholesterin gebildet. Regulation durch Corticotropin und ACTH. Keine Tagesrhythmik.
Kortisontherapie unterdrückt DHEA-S.

Serumkonzentration von DHEA-S: 4x höher bei Männern als bei Frauen.

Adrenopause

Sinkende Werte ab dem 30. Altersjahr bei beiden Geschlechtern auf 10% Restproduktion zwischen dem 70. und 80. Altersjahr.
Abfall infolge Mangel an dem Schlüsselenzym Desmolase (keine Sulfatierung von DHEA)

DHEA

Umwandlung in der NNR grösstenteils zu DHEA-S, das als Prohormon keine eigene androgene Aktivität aufweist, neuerdings aber doch mit wichtigen Funktionseinbussen in Verbindung gebracht (s. unten). Mittlerweile sprechen viele Beobachtungen dafür, dass der Grossteil des DHEA der Verbesserung zahlreicher Körperfunktionen dient.

DHEA-S

= Prohormon Pool, bildet:

Androstendion, Testosteron, Dihydrotestosteron (vorwiegend Frau)
Östradiol, Östron (vorwiegend Mann)

Serumkonzentration von DHEA-S ca. 500x höher als von DHEA.
Insgesamt liegen ca. 0.2% des gesamten DHEA-S als biologisch aktives DHEA vor.
Das Verhältnis von DHEA-S zu DHEA im Plasma zeigt lebenslange Konstanz.

ZNS

DHEA überwiegt deutlich (5-6 fach höhere Werte als in anderen Organen).
Im ZNS scheint DHEA-S eine biologische Aktivität zu besitzen.
DHEA-S = Neurosteroid. Wird im ZNS und in peripheren Nerven in bedeutsamen Mengen synthetisiert, möglicherweise mehr als in der NNR.

Höchste Blutwerte zur Zeit der Geburt.
Tiefere Werte im Kleinkindesalter.
Anstieg während Adrenarche.
Peak um das 30. Altersjahr.
Stetig sinkende Werte nach dem 30. Altersjahr.
Im Alter betragen die Werte durchschnittlich noch 1/5 der Werte in der Jugend.

Wirkungen allgemein

Stärkung des Immunsystem
Tumorprevention (teilweise)
Verbesserter Lipid- und Glukosestoffwechsel
In einer Studie an jungen Männern mit täglichen, hochdosierten DHEA Dosen (1600 mg) sank das Körperfett bei gleichzeitiger Erhöhung der fettfreien Masse. In späteren Studien konnten diese Resultate nicht bestätigt werden.
Bei postmenopausalen Frauen aber beobachtete man unter dieser Dosierung deutlich erhöhte Werte für Testosteron, Dihydrotestosteron, eine leichte Östrogenerhöhung, eine Verstärkung der Insulinresistenz und Verschlechterung der HDL Werte. Körperfett und Körpergewicht zeigten keine signifikanten Veränderungen.
Auch bei physiologischen Dosen von 50mg, wie sie bei Jüngeren gefunden werden, stiegen bei Frauen die Androgenwerte auf das Doppelte an. Die HDL Werte sanken ebenfalls. Bei Männern konnten diese Veränderungen nicht beobachtet werden.
Geschlechtsunspezifisch konstatierte man eine generelle Verbesserung des psychischen und physischen Allgemeinbefindens (die Libido blieb unverändert), eine Erhöhung von IGF-1, tiefere Werte für IGFBP1.

14 postmenopausale Frauen wurden 1 Jahr lang mit DHEA Creme 10% behandelt.
Die Resultate:

Signifikante Erhöhung der Talgproduktion.
Tiefere Werte für SHBG.
Signifikante Erhöhung der Knochendichte im Hüftbereich. Parallel dazu geringere Serumwerte für alkalische Phosphatase und im Urin eine verminderte Hydroxyprolinausscheidung.
Die Vaginalzytologie zeigte eine signifikante Verbesserung.
Keine Endometriumproliferation.
Keine Veränderung des Lipidprofils.
Signifikante Verbesserung der Insulinresistenz.
Deutlich verbessertes psychisches Allgemeinbefinden.
Erhöhung der IGF-1 Werte mit einer Verbesserung der Muskelkraft.


DHEA-S Funktionen und Mangelerscheinungen

Der altersbedingte Abfall von DHEA-S wird neuerdings mit folgenden Funktionseinbussen in Verbindung gebracht:

Gedächtnis: Altersabhängige Abnahme der geistigen Fähigkeiten
Insulinresistenz: Zunahme der Glucocorticoidwirkung in Abhängigkeit vom Alter
Osteoporose: Zunahme der hormonabhängigen Involutionsosteoporose
Atherosklerose: Vermehrt metabolische Komplikationen
Immunität: Verminderung der zellulären Immunität in Abhängigkeit vom
Alter
Tumorinzidenz: Auswirkung auf die Entstehung von malignen Tumoren in
Abhängigkeit vom Alter (s.unten)
Depression: Altersdepression

Gedächtnisleistung

DHEA bremst im Alter das Nachlassen der geistigen Fähigkeiten.
Bei Alzheimer Patienten wurden bis zu 48% niedrigere Spiegel gefunden.
Bei Alzheimer und Parkinson dürfte zumindest theoretisch eine DHEA-S Substitution sinnvoll sein.


Depression

DHEA-S erhöht den Serotoninspiegel und wirkt so antidepressiv und steigert das Lebensgefühl.

Anti-Aging Wirkung / Wirkung auf IGF-1

Signifikanter Anstieg von IGF-1 bei Frauen und Männern


Osteoporose

Je niedriger in der Menopause die DHEA Werte, desto höher das Osteoporoserisiko.
Interleukin-6 hemmt den Knochenabbau.
DHEA hemmt Interleukin-6.
Die androgenen und östrogenen Eigenschaften von DHEA(S) wirken sich beide positiv auf den Knochen aus.


Antiatherosklerotische Effekt

Männer:

Schutzfunktion gegenüber kardiovaskulären Erkrankungen, weil DHEA vorwiegend eine östrogene Wirkung aufweist Umwandlung von DHEA zu Östrogenen)
Todesfälle von Männern über 50 sind verbunden mit niedrigen DHEA Werten.
DHEA senkt auch Cholesterin: Es unterdrückt LDL-Cholesterin und erhöht HDL-Cholesterin. Bei Frauen ist das Gegenteil der Fall!

Frauen:

DHEA besitzt hier keine Schutzfunktion. Eher das Gegenteil ist der Fall.
(androgene bezw. antiöstrogene Effekte).

Maligne Tumoren

Erniedrigte DHEA Werte fand man bei Harnblasen-, Magen- und Prostatacarcinom

Männer:

DHEA Zufuhr steigert möglicherweise das Risiko für hormonabhängige
Tumoren (Prostatacarcinom).

Frauen:

Erhöhtes Risiko für Mammacarcinom, wenn:

DHEA vor der Menopause niedrig und
DHEA nach der Menopause hoch

Bei niedriger DHEA Dosierung - ohne Testosteronanstieg - ist die procancerogene Wirkung wahrscheinlich zu vernachlässigen.


Immunsystem

DHEA wirkt dem Kortison entgegen und steigert die Aktivität der zellulären Immunabwehr.
Bei Autoimmunerkrankungen führt DHEA zu deutlichen Verbesserungen.

SLE (systemischer Lupus E.): Mit Dosen von 200 mg DHEA täglich während 3-6 Monaten sehr deutliche Verbesserung.


Stoffwechsel: Insulin

Insulin bremst die Bildung von DHEA . Wenn im Alter die DHEA Werte abfallen, steigt das Nüchterinsulin an. DHEA selbst hat keinen direkten Einfluss auf DHEA.
Insulinresistenzverbessernde Medikamente erhöhen auch die Verfügbarkeit von DHEA.


Stoffwechsel: Fettverbrennung

Männer >40:

Unter DHEA(S) sinkt der prozentuale Körperfettanteil und die Muskelmasse
steigt an.

Frauen:

Tendenz zur Fettanhäufung:
Menopause/Mangel an Östrogen: Die Testosteronwirkung von DHEA
überwiegt, damit Tendenz zur Stammfettsucht, damit Hyperinsulinämie, damit Abfall von
SHBG, damit Anstieg von freiem Testosteron, damit Stammfettvermehrung.


Stoffwechsel: IGF-1

DHEA Gaben bremsen den altersbedingten Abfall von IGF-1 und tragen somit - wie auch die androgenen Effekte (Testosteron) zur Vermehrung der Muskelmasse bei.
Damit Verbesserung der körperlichen Fitttness.


Indikationen für eine DHEA(S) Therapie


Patienten über 35 Jahren mit erniedrigten DHEA Spiegeln.
Patienten mit bösartigen Tumoren
Morbus Crohn, Allergien, Asthma
Autoimmunerkrankungen wie SLE (Lupus E.), RA (Rheumatoide Arthritis), Multiple
Sklerose etc.
CFS (Chronisches Müdigkeitssyndrom)
Störungen im Immunsystem, primär oder sekundär
AIDS


Kontraindikation (absolut oder relativ)

Hormonabhängige Tumoren (Brust, Gebärmutter, Eierstöcke, Prostata)
Positive Familienanamnese bezüglich hormonabhängigen Tumoren.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei der Frau.


DHEA - Therapie

Nach einer 2-wöchigen Therapie mit DHEA 50 mg täglich werden Plasmawerte junger Erwachsener erreicht (DHEA und DHEA-S).

Frauen: 2 facher Androgenanstieg (Androstendion, Testosteron, Dihydrotestosteron)
Männer: Leichter Anstieg von Androstendion
Beide: Östron, Östradiol und SHBG blieben unverändert


Bisherige Dosisempfehlungen

Frau: 5-50 mg frühmorgens
Mann: 25-100 mg frühmorgens

Neuerdings wird auch empfohlen die Tagesdosis zu halbieren und auf Morgen und Abend zu verteilen

DHEA wird gut über die Haut (DHEA-Creme) und über die Mundschleimhaut aufgenommen.
Bei der Aufnahme in Kapselform werden ca. 90% des aufgenommen DHEA in der Leber verstoffwechselt.
Aufgenommenes DHEA wird innert 30 Minuten zu DHEA-S umgewandelt.
Die Halbwertszeit von DHEA im Plasma wird mit 12 Stunden angegeben.

Zur Dosisoptimierung ist eine erste Blutspiegelkontrolle nach 2 und 4 Wochen erforderlich. Später zur Therapieüberwachung alle 3-6 Monate.

Neuere - vorsichtigere Dosisempfehlungen

Frau: 5-15 mg frühmorgens, von Montag bis Freitag
Mann: 10-25 mg frühmorgens, von Montag bis Freitag

Dosisempfehlungen für Kranke

Grundsätzlich individuell, bis zur Beschwerdefreiheit/Besserung.
Erhaltungsdosis ermitteln.

In einer Studie in China wurden Frauen täglich während 3 Monaten 1600 mg DHEA verabreicht. In dieser kurzen Zeit traten keine Nebenwirkungen auf.

Diagnostik

Speichel oder Serum

Nebenwirkungen

Theoretische Risikoerhöhung für hormonabhängige Tumoren: Mamma, Uterus, Prostata.
In der obigen Studie an 14 postmenopausalen Frauen war keine Zunahme der Tumorinzidenz zu beobachten.

Theoretische Zunahme von Herz-Kreislauf Erkrankungen und Stammfettsucht bei Frauen.